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Werkstattwissen Hier wird über nicht ganz alltägliche Arbeiten in der Uhrmacherwerkstatt berichtet. Die Text- und Rechenbeispiele können für manchen Uhrmacher am Werktisch eine Hilfe sein. Für mich persönlich hat sich die Beschäftigung mit diesen Themen aus einer jeweiligen Arbeitssituation ergeben. Nicht in jedem Fall konnte ich, selbst bei erfahrenen Uhrmachern, sofort eine zufriedenstellende Antwort bekommen. Nachstehend  die gefundenen Lösungen. Sollten Sie Anmerkungen zu diesen Themen haben, dann sind diese immer willkommen.

a) Pendellänge bei französischen Pendulen
b) Der Aufzug bei amerikanischen Taschenuhren und seine Reparatur
a) Pendellänge bei französischen Pendulen,
gemessene Länge: Vom Pendelhalter bis zum Pendellinsenmittelpunkt.
Rückseite einer Platine
Rückseite des Uhrwerks, unten auf der Platine, sind oft zwei Zahlen eingetragen in diesem Beispiel 4 / 5, es ist nicht die Werk-Nr. sondern gibt Hinweise  auf die Pendellänge.

Aus handschriftlichen Aufzeichnungen eines mir unbekannten Uhrmachers sind nachstehende
„ERFAHRUNGSWERTE“,  (sie basieren auf den beiden Zahlendie auf Platinen waren und nennen die daraus resultierende Pendellänge:   
    
3 – 5 = 9 cm
         
3 – 6
= 9 cm
         
4 – 1
= 11 cm

4 – 4
= 11,5 cm
         
5 – 2 = 13,5 cm
         
5 – 4 = 13,5 cm
         
5 – 8 = 15,5 cm
         
6
= 15,5 cm
         
6 – 4
= 17,0 cm 
    
                                              
Stand 21.11.83,
die Unterschrift ist leider nicht zu entziffern.

Die Pendellänge bei Tischuhren; z.B. bei französischen Pendulen, hat eine wichtige Größe, sie steht im unmittelbaren Zusammenhang mit der Höhe des Uhrengehäuses. Bei alten Uhren, vor allem bei losen Werken ist oft das Pendel nicht mehr vorhanden und beim Kauf besteht meist nicht die Gelegenheit Pendellänge aus den Zähnezahlen des Gehwerks zu ermitteln. Ob das Uhrwerk dann zum Gehäuse passt weiß man nie es ist ein „Ratespiel“. Ab ca. 1800 ging man bei französischen Pendulen dazu über, auf der Rückseite der Platine die Pendellänge zu vermerken. Es sind zwei Zahlen, die auf der Platine unten eingeschlagen sind, oft durch einen Punkt oder Strich getrennt. Daraus kann die Pendellänge errechnet werden. Bei Deutschen Uhren ist die Pendellänge meist in cm angegeben, bei französischen Pendulen erfolgte die Angabe jedoch in Linien; eine Linie entspricht 2,26 mm.

Die Berechnungsformel ist, wenn man sie kennt, nicht nur hilfreich sondern auch einfach. Grundlage ist das bis 1800 offiziell in Frankreich verwendete Längenmaß in Linien, im Uhrmacherhandwerk noch heute ein gültiges Maß, z.B. bei Uhrwerken.
 
Linie (ligne)  1/12 pouce  2,26 mm
Zoll (pouce)  1/12 pied 27,07 mm
Fuß (pied)
 324,80 mm

Bei den Zahlen auf der Platine ist es wichtig sich zu merken, dass jede der Zahlen mit einem
 anderen Multiplikator zu verwenden ist.
  • Die erste Zahl mit 12 Linien (27,07 mm)
  • Die zweite Zahl mit einer Linie (2,26 mm)
Das Rechenbeispiel, bezogen auf die Angabe der oben abgebildeten Platine  4 - 5

(4x27,07 mm) + (5x,2,26 mm) = 119,58 mm

Das Ergebnis der Multiplikationen wird addiert un
d daraus resultiert die gesuchte Pendellänge, in diesem Beispiel sind es 119,58 mm.

Bitte beachten:
In der Praxis weichen die Pendellängen, bedingt durch verschiedenste Pendelformen,
vom errechneten Maß ein wenig ab. Die Abweichungen sind allerdings gering und werden durch die Chance der Pendellängenverstellung / Regulierung leicht berichtigt.

„Die Pendellänge wird normalerweise immer gemessen vom Pendelschwerpunkt
(liegt im oberen Bereich der Pendellinse oder hier etwas oberhalb der Linse wegen deren geringem Gewicht). Man legt das Pendel komplett -Linse + Stab- auf eine Kante, so dass es im Gleichgewicht ist und misst vom Drehpunkt der Pendelaufhängung bis zum Gleichgewichts- Auflage- Punkt.   Die folgenden beiden Pendellängen: Frz. Pendule mit üblichem frz. Werk von ca. 1840-1870: Fadenaufhängung, Linsen Ø 25mm, Dicke 3,5mm, Draht Ø. 1mm.
  • Länge von Linsenmitte bis zur Stelle der Berührung des Fadens: 20,8mm
  • Länge vom Schwerpunkt bis zur Mitte des Fadens (Drehpunkt): 19,2mm“.
Tabelle für errechnete Pendellängen, die Ergebnisse sind gerundet:

Zahlen auf der Platine:
Pendellänge in mm:
3-0
81
3-5
92
4-0
108
4-5
120
5-0
135
5-5
147
6-0
162
Zahlen auf der Platine:
Pendellänge in mm:
6-5
174
7-0
189
7-5
201
8-0
217
8-5
228
9-0
244
9-5
255

Bitte beachten:
In der Praxis weichen die Pendellängen, bedingt durch verschiedene Pendelformen
vom errechneten Maß ein wenig ab. Die Abweichungen sind allerdings gering und werden durch die Chance der Pendellängenverstellung / Regulierung leicht berichtigt.

Bei Uhren, die keinen Hinweis auf die richtige Pendellänge haben, ist nachstehender Rechenweg hilfreich.
Zunächst das Errechnen der Pendelschwingungen/Wechsel pro Sunde: Grundlage ist das Rad, das in einer Stunde eine Umdrehung macht, in der Regel das Minutenrad.

Die Zahnzahlen der Räder und Triebe werden ermittelt (ausgezählt),
in diesem Fall: Minutenrad:        84 Zähne Kleinbodenrad:   70 Zähne Hemmungsrad:   34 Zähne Kleinbodentrieb:   7 Zähne
Hemmungstrieb:   7 Zähne

a)
Die Zahnzahlen der Räder werden miteinander multipliziert,
das Resultat dieser Rechnung wird nochmals mit 2 multipliziert, weil für den Fortgang eines Zahnes im Hemmungsrad 2 Wechsel erforderlich sind.
b) Die Zahnzahlen der Triebe werden miteinander multipliziert.
c) Das Ergebnis beider Rechnungen, 399840 und 49 ist die Basis für den nächsten Rechenschritt:
d) Die erste Summe, die Zahnzahl [Z] der Räder x 2 [Wechsel] = 399840 wird geteilt durch die Summe der Zahnzahl [z] der Triebe = 49

Pendel Formenl Nr. 2

Das Ergebnis sind 8160 Halbschwingungen oder Wechsel.
Die Dauer eines Wechsels, bezogen auf eine Stunde (3600 Sekunden) ist:
Pendel Formel Nr. 3
3600 Sekunden geteilt durch 8160 Wechsel, das ist 1 Wechsel pro 0,441 Sekunden.

Nachdem die Pendelschwingungen pro Stunde errechnet wurden gilt es nun festzustellen, mit welcher Pendellänge diese Schwingungszahl zu erreichen ist.
Es gibt in den bekannten Lehrbüchern für Uhrmacher „Tabellen der Längen des einfachen Pendels für eine gegebene Schwingungszahl je Stunde.“ Ist die Schwingungszahl bekannt, kann aus den Tabellen die dazugehörige Pendellänge abgelesen werden. Interessant an diesen Tabellen, dass auch Auskunft darüber gegeben wird, welche Veränderung der Pendellänge in mm Einfluss nimmt auf den Vor- oder Nachgang des Uhrwerks, bezogen auf eine Minute in 24 Stunden. Oftmals eine willkommene Hilfe bei der Regulierung von Pendeluhren. Diese Tabellen waren schon vor über 100 Jahren gebräuchlich. Sind keine Tabellen zur Hand, oder handelt es sich um Pendellängen, die in den Tabellen nicht enthalten sind, z.B. bei Zwischenmaßen, kann die Pendellänge auch errechnet werden. Zunächst die Formel:
Pendel Formel Nr 4
l = Pendellänge in Meter
T = 3600 Sekunden
2 = errechnete Halbschwingungen (8160)
g = Erdschwerebeschleunigung/Erdanziehung, hier als Mittelwert mit 9,80 m/s2
pi = 3,14159
² = zum Quadrat erheben
 

Pendel Formel Nr. 5, 6, 7, 8, 9
Die gesuchte Pendellänge ist 192 mm, bitte beachten, es ist die mathematische Länge.

Literatur:
(Es sind gibt viele Fachbücher zu diesem Thema, die erwähnten sind Bestandteil meiner Bibliothek). „Praktisches Handbuch für Uhrmacher“ Grosch, Hermann, Weimar, Bernhard Friedrich Voigt, 1879,

„Die Reparatur der Pendulen“ Dante Gibertini, Eugéne Jaquet, 1977, Vereinigung der Technischen Schulen der Schweiz, FET-Neuenburg

nach OBEN

Der Aufzug bei amerikanischen Taschenuhren und seine Reparatur 
Waltham TaschenuhrWaltham Taschenuhr
Achtung amerikanische Uhren haben oft Schraubdeckel!
Leipziger Uhrmacherkalender 1908 Waltham PendantschlüsselPendantschlüssel, z.B. für amerikanische Taschenuhren wie z.B. Waltham.
Auch Zenith hat Pendants nach dem amerikanischen System gefertigt.

    In den vergangenen Jahren begegneten mir wiederholt amerikanische Taschenuhren, z.B. Waltham. Sensibilisiert durch einen Vortrag von Pater Dr. Hein war ich auf diese Uhren aufmerksam geworden. Vor Jahren habe ich dann das erste Exemplar erworben, es war nicht funktionsfähig. Das stellte aber kein Problem dar, da mir ein Uhrmachermeister, speziell für diese Marke empfohlen wurde. Die Uhr ist dort auch repariert / überholt worden und noch heute in Funktion.

    In späteren Gesprächen habe ich persönlich die Feststellung gemacht, dass die von den Amerikanern angewandte Technik sich von der in Europa, auf dem Festland, verwendeten Ausführung zum Teil stark unterscheidet. Der Ausbau der Aufzugswelle ist nicht wie üblich möglich.

    Nun kam mir nachstehender Bericht in die Hände, veröffentlicht im Leipziger Uhrmacher-Kalender, von 1908. Hier werden in Wort und Bild der Aufzug bei amerikanischen Taschenuhren und seine Reparatur dargestellt.
Der Aufzug bei amerikanischen Taschenuhren und seine Reparatur
   Zu jenen Einrichtungen einer Taschenuhr, die dem deutschen Uhrmacher weniger geläufig sind und die ihm deshalb hier und da Schwierigkeiten bereiten, gehört der Aufzieh- und Zeigerstellmechanismus der amerikanischen Taschenuhren.   Weniger deswegen, weil dieser Mechanismus überhaupt schwer zu verstehen ist, als vielmehr weil bis heute eine bestimmte Unterweisung darin gefehlt hat, deren Notwendigkeit besonders der an einem entlegenen Platze wohnende Uhrmacher, dem wenig Gelegenheit zur Information geboten ist, gefühlt haben wird. Wenn ihm vielleicht durch irgend einen Zufall eines der zum Aufzugmechanismus gehörenden Teiles abhanden gekommen ist, so kann er leicht in einen Zustand der Rat- und Hilflosigkeit kommen, in dem er, obgleich an seiner Unkenntnis die amerikanische Uhr nicht schuld ist, das System dafür entgelten lassen will. Er nennt es dann „zu kompliziert" und wundert sich, dass die praktischen Amerikaner so „unpraktische" Aufzüge machen.
    Aber wie überall, so ist auch hier ein voreiliges Urteil vom Übel, vielleicht genügt schon die Bekanntgabe der Tatsache, daß neuere Uhrenfabriken der Schweiz von den Amerikanern diesen Aufzug übernommen haben, um doch geheime Vorzüge darin vermuten zu lassen.     Bei der immer größer werdenden Häufigkeit amerikanischer Taschenuhren im deutschen Handel ist es jedenfalls Pflicht der Fachpresse, sich mit den technischen Einzelheiten dieser Uhren zu befassen und den Uhrmacher darin zu unterrichten. Nachstehend soll es versucht werden.     Im Gegensatze zu Uhren anderer Herkunft bilden bei den amerikanischen Taschenuhren Krone und Aufziehwelle zum Gehäuse gehörende Teile, die mit ihm stets fest verbunden und zunächst vom Werk unabhängig sind. Ebenso bildet das Werk wieder eine für sich abgeschlossene Sache. Werke wie Gehäuse werden in Amerika vollständig unabhängig für sich fabriziert und gehandelt Über die Größen haben sich Werk- und Gehäusefabriken schon lange geeinigt und die verschiedenen Maße in Nummern festgelegt. So sagt man 14Size und meint damit eine ungefähr 18linige Uhr, ebenso ist 16 Size = 19linig. Dieses selbstständige Geschäftemachen würde aber für einen erfolgreichen Export nicht angängig sein, denn was sollte man in irgendeinem Lande mit Werken ohne Gehäuse tun und umgekehrt in einem anderen mit leeren Gehäusen ohne Werke? Es kann doch mit Erfolg nur eine komplette Uhr exportiert werden, weshalb sich die bedeutendsten Fabriken der-Werke und Gehäuse zu Exportvereinigungen zusammengetan haben, wie wir sie in den beiden in Deutschland bzw. Europa arbeitenden amerikanischen Firmen dargestellt sehen.
    Diese getrennte Erzeugung macht die Schablonenmäßigkeit solcher Uhren zu einer ganz vollkommenen, denn die Auswechselbarkeit muss sich notgedrungen sowohl auf jeden gewünschten Teil der betr. Uhrenmarke, als auch auf die ganze Uhr erstrecken. Sie macht es ebenfalls nötig, dass wie bei den im Pendant liegenden Teilen der Aufziehvorrichtung, auch bei jenen im Werke eine gewisse Übereinstimmung bei den verschiedenen Marken herrschen muss. Wenn deshalb ein solches Systembeschrieben wird, so haben wir alle Systeme im Prinzip dargestellt. Kleine Abweichungen können das Verständnis nicht beeinträchtigen.
   Die hier gegebenen Figuren stellen Teile einer Waltham-Uhr dar, jener alten, bekannten und bewährten Marke, die ihre Verbreitung über die ganze Welt gefunden hat und die neuerdings auch in Deutschland stark vertreten ist.

Der Pendant
    Wenn aus einer Waltham-Uhr das Werk entfernt wird, was dadurch geschieht, dass man die Aufziehwelle hochzieht und dann die beiden Werkbefestigungsschrauben löst, so bleiben Aufziehwelle mit Krone im Gehäuse stecken, ohne dass man von außen weder durch eine Schraube noch ein sonstiges 

Befestigungsmittel zu erkennen vermöchte, in welcher Weise die Festhaltung bewerkstelligt wird. 

Waltham Figur 1

In Figur l ist die
Einrichtung im Pendant
dargestellt; wir bemerken ferner darüber einen
Schlüssel zum Herausschrauben
dieser Einrichtung abgebildet, der durch die Furniturenhandlungen oder von der Fabrik-Niederlage direkt bezogen werden kann.

Figur 1 Die Einrichtung besteht aus zwei Teilen, der Aufziehwelle a b c und der Hülse d e, die mit ihrem Gewindeteil d im Innern des Pendants eingeschraubt ist und mit der federnden gespaltenen Hülse e die Aufziehwelle umschließt. Ihre Aufgabe ist nicht allein die Aufziehwelle im Gehäuse festzuhalten, sondern auch beim Aufziehen und Zeigerstellen die Welle jeweils inder richtigen Lage gegen Verschiebungen zu sichern, ferner als Staubschutz im Pendant zu dienen. Man verlangt also vielerlei von ihr und wird ihr schließlich die Anerkennung nicht versagen dürfen, dass sie sich ihren Aufgaben durchaus gewachsen zeigt. In den weitaus meisten Fällen einer Uhrreparatur wird es nicht nötig sein, diese Einrichtung einer Untersuchung zu unterziehen, es sei denn, dass sich, bemerkbar durch zu großen Widerstand beim Heraufziehen der Krone zum Zwecke des Zeigerstellens, eine Reinigung bzw. Ölung des Ansatzes b der" Welle nötig macht. Soll ein Herausnehmen erfolgen, so halte man mit einer stumpfen Flachzange das in das Gehäuse hineinragende Viereck c fest und schraube mit der rechten Hand die Krone vom Gewinde a ab. Sieht man in den jetzt oben offenen Pendant hinein, so bemerkt man im Innern desselben das Gewinde, in welches die federnde Feststell- und Staubschutzhülse mit ihrem steifen Teile d festgeschraubt ist vier Einschnitte des Einsatzes d greift, kann man die ganze Sache leicht heraus schrauben und hält dann die Aufziehwelle mit der Hülse in der Hand, während der leere Pendant zurückbleibt. Voila tout! (Das ist alles!)     Die federnde Hülse e umschließt dicht die Aufziehwelle und endet vor dem besonderen Ansatz b derselben. Will man die Zeiger stellen, so zieht man bekanntlich die Krone mit der ihr folgenden Aufziehwelle hoch, wobei die vier Teile der federnden Hülse e sich auseinander spreizen und den Ansatz b in das Innere der Hülse verschwinden lassen.     Nun hält die Hülse die Welle so lange in dieser Lage, bis sie durch einen Druck von oben wieder zur Freigabe des Ansatzes b gezwungen wird, so dass er die in der Abbildung gegebene Lage einnimmt, welche die Stellung der Welle beim Aufziehen der Uhr darstellt. Es versteht sich, dass an diese Stelle Fettigkeit gehört, denn wie überall wird durch glatter machen der gleitenden Flächen die Reibung vermindert und hier das Hochziehen sanfter gemacht.     Es empfiehlt sich nicht, die Welle aus der Hülse herauszuziehen; sollte es aber aus Versehen oder Unkenntnis geschehen sein, so wird man sich in den meisten Fällen genötigt sehen,den in der Abbildung nicht sichtbaren scharfen Ansatz, der den Übergang des Gewindes a zur Welle darstellt, etwas konisch zu drehen, damit er unten in die Hülse geschoben werden kann und diese beim Weiterschieben so auseinander spreizt, dass die Welle hinein geht. In der Fabrikation ist das nicht nötig, da die Hülse maschinell um die fertige Welle gelegt, nicht, wie man annehmen könnte, umgekehrt die Welle in die Hülse geschoben wird.     Beim Wiedereinschrauben in den Pendant ist zu beachten, dass die Hülse in die richtige Höhe geschraubt wird, denn eine Veränderung kann eine Störung in der Funktion der Welle bedingen. Man wird also gut tun, solange man nicht intim mit diesem System vertraut ist, sich das vorher etwas zu merken.     Und wenn die Hülse einmal kaputt geht? Diese Frage wiederholt sich in Anbetracht der Schwierigkeit der Herstellung recht häufig. Nun so schreibt man eine Postkarte an seinen Fourniturenhändler oder dahin, woher die Uhr bezogen ist, und am anderen Tage wird (so ist es wenigstensbei der hier ausdrücklich genannten Marke organisiert) ein genau passendes Ersatzstück an den Besteller abgehen. Mit der Herstellung aus dem Rohen wird sich keiner befassenwollen und er braucht es auch nicht, weder hier wie noch bei jedem anderen Teile dieser Uhren. Das Kontergesperr und die Zeigerstellung.     Wenn von der Platine alle Kloben und Räder, sowie das Federhaus entfernt sind, bleibt der in Figur 2 dargestellte Teil der Aufzugspartie zurück. Letztere unterscheidet sich von den landläufigen Systemen dadurch, dass ein Hebel und ein Stift mehr vorhanden sind, dann aber auch durch die Funktion, die eigentlich gar nicht einfacher und sicherer sein kann.

Waltham Figur 2Figur 2 Waltham Figur 3

    Wir bemerken zunächst, dass das ganze System sehr solid gelagert ist, bei A im Metall der Platine und des Klobens, bei B in einem besonderen Stahllager, welches in Figur 3 zur Darstellung gebracht ist und dessen Entfernung bei einer Reparatur sich erübrigt. Wie aus der Zeichnung zu erkennen ist, befindet sich auf der dem Beschauer abgewandten Seite das stählerne Zeigerstellrad, das verbindende Glied zwischen Kontergesperr und Zeigerwerk.   

Waltham Figur 4

    In Figur 4 erkennen wir die Formen des im Werke gelagerten Teiles der Aufziehwelle; wir bemerken, dass er in seiner ganzen Länge durchbohrt ist, und zwar von oben viereckig, von unten enger und rund und sehen ferner, dass  dass in der unteren Bohrung ein Stift a lagert, der einer Zeigerwelleähnelt. An dem  Kopfe dieses Stiftes liegt der eine der beiden Hebel an, deren Lage in Figur 5 einer besonderen Abbildung gewürdigt ist.

Waltham Figur 5 Waltham Figur 6

Der Hebel a ist um einen eingeschraubten Stift drehbar; b ist ein Vagabund, der seine Lage beliebig verändern könnte, wenn er nicht durch die zarte Feder c sanft aber nichtsdestoweniger strenge zur Stätte seiner Pflichten gedrängt würde.     Aus den Figuren 3 und 6 erkennen wir die Tätigkeit dieser Hebel und ist bei Figur 3 die Krone hochgezogen, wobei der Stift in der hohlen Welle an seinen in Figur 4 gezeichneten Platz geglitten ist und das eine der Aufziehräder den Eingriff mit dem Zeigerwerk hergestellt hat, während in Figur 6 die Krone in ihrer Normalstellung und die Uhr fertig zum Aufziehen dargestellt ist. Der Stift steht dabei, durch die in Figur l gezeichnete Aufziehwelle a b c gedrängt, etwas heraus, drückt den Hebel b zurück, der weiter den Hebel a betätigt und die Aufziehräder miteinander in Eingriff bringt. In dieser letzten Stellung befindet sich also die Partie fortwährend, nur beim Zeigerstellen ändert sie sich in die in Figur 2 dargestellte um. Figur 3.             Seitlich der Aufziehräder befindet sich eine schmale in die Platine gebettete Stahlschiene, die dazu  dient, die Aufziehräder in Eingriff zu bringen auch wenn das Werk sich nicht im Gehäuse befindet, die Aufziehwelle a b c also nicht den Stift zurückdrängt und die vorher beschriebenen Folgen verursacht. Da es bei der Reparatur angenehm und nötig sein kann, die Uhr vor dem Einsetzen ins Gehäuse aufzuziehen und gehen zu lassen, so schiebt man die Schiene so weit heraus, dass der eine ihrer vorstehenden Stifte den Hebel a angreift und damit das Aufziehrad mit dem Zeigerwerk außer r und mit dem andereren Aufziehrade in Eingriff bringt, und diesen Eingriff sichert, bis beim Fertigstellen der Uhr das Aufsetzen des Staubringes es erfordert, dass die Schiene wieder bis an den Rand der Platine zurückgeschoben wird.

Das Sicherheitsfederhaus. ist eine Sache, die mit dem Aufzugssysteme an sich nichts zu tun hat, in diesem Zusammenhange aber beschrieben und erklärt werden kann.     Um das Abbrechen von Zähnen und Zapfen beim Springen einer Zugfeder zu verhindern, machten die Amerikaner früher ein Sicherheitstrieb, d. h. sie schraubten das Minutenrad so auf sein Trieb, dass sich, wenn eine springende Feder stark zurückschlug, das Trieb herausschraubte und damit den Rückschlag für die weiteren Teile der Uhr wirkungslos machte. Das Wort Safety pinion auf dem Werk bezeichnet das Vorhandensein dieser Einrichtung. Da aber das Bessere des Guten Feind ist, macht die Waltham schon lange ein Sicherheits-Federhaus, wie es in Fig. 7 auseinandergenommen dargestellt ist.

Waltham Figur 7

Figur 7

    Wir bemerken zunächst das eigentliche Federhaus a von Stahl ohne Zähne, dann ein gezahntes Stirnrad b, in dessen Mitte der Federkern c angebracht ist, weiter die Federwelle d. Der zylindrische Teil dieser Federwelle bildet den Zapfen für das Rad b, welches sich beim Ablaufen der Uhr um ihn dreht. Über  diesem zylindrischen Teile bemerken wir einen Ansatz, darüber wieder einen kurzen zylindrischen Teil, der im Kloben läuft, schließlich ein Viereck für das flache Aufziehrad, welches mit einer in die Welle passenden Schraube festgehalten wird. Am anderen unteren Ende aber kommt auf das vorhandene Viereck das Stahlfederhaus zu sitzen.     Beim Aufziehen nimmt die Federwelle das Federhaus mit, während der Federkern stehen bleibt, also umgekehrt wie man es gewöhnlich findet. Beim Ablaufen der Uhr bleibt nun natürlich das Federhaus  stehen, während der Federkern mit dem Stirnrade gedreht wird. Springt eine Feder, was bekanntlich bei jeder Qualität vorkommt, so hört einfach der Zug auf. Ein Rückschlag wirkt nicht auf das Räderwerk ein, sondern wird vom Sperrkegel aufgefangen, für den eine Gefahr deshalb nicht vorhanden ist, da die Waltham bekanntlich eine sehr schwache, elastische Zugfeder hat. Schlusswort.     Nunmehr wird jeder Fachmann diese, auch ohne weiteres andere Einrichtungen verstehen und es wird ihm ein leichtes sein, mit dem Aufzug dieser Uhren fertig zu werden. Klappt irgendetwas nicht, so bedenke er, dass es sich hier um ganz vollkommene Schablonenuhren handelt und dass bei richtiger Anbringung die Sache funktionieren muss.     Alles Drehen, Feilen oder Schleifen kann nie zur Verbesserung der Uhr beitragen, im Gegenteil müssen veränderte Formen wieder hergestellt werden. Fast immer wird, wenn irgend eine Störung vorhanden ist, Reinigung und frisches Ölen genügen, diesen Teil in Ordnung zu bringen, denn selbst der Zahn der Zeit kann seinen nagenden Einfluss nur wenig geltend machen, da bei der Konstruktion nicht Laune oder Willkür, sondern allein die Grundsätze der wissenschaftlichen Mechanik, verbunden mit den Erfahrungen einer über ein halbes Jahrhundert dauernden Praxis, maßgebend gewesen sind.

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