Wappen der Familie Koch
Uhren Koch©
Ekkehard Koch, Mitglied der DGC
Fachkreis Historische Uhren Schloss Raesfeld e.V.
Kölner Uhrenkreis
Fachkreis Turmuhren in der DGC
Deutsche Gesellschaft für Chronometrie e.V.
Uhr mit Spindelhemmung
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Dokumentation Arbeitsbericht über die
Restaurierung des Werkes einer Bodenstanduhr

Doku Nr 01 Kopf mit Uhrwerk unrestauriert

Originalfoto der beschriebenen Uhr,  das Werk ist noch unrestauriert.

Objektbeschreibung Deckblatt
Eigentümer der Uhr NN
Uhrentyp Standuhr mit Geh- und Schlagwerk und Weckerwerk
Besonderheit Der Stundenschlag kann über einen aus dem Gehäuse herausgeführten Schnurzug repetiert (widerholt) werden; zum Beispiel aus einem Nebenraum.
Herkunft vermutlich aus dem Raum Osnabrück
Herstellungszeit Das Werk und das Gehäuse bilden keine ursprüngliche Einheit. Das Werk wurde später in das jetzt vorhandene, wohl neuere Gehäuse eingebaut.
Das Zifferblatt ist datiert mit I.C. oder G? Meier, Melle, 1756.
Werk Nr. oder Punzierung nicht vorhanden
Werkgestell Prismenbauweise, Eisen, verkeilt
Indikationen (Anzeigen) Mnute, Stunde, Weckzeit über Weckerscheibe einstellbar
Antrieb Gewichte über Kette
Pendel Langpendel an langer Pendelfeder, ~ 1 Sekunde
Hemmung Hakengang, rückführend, nach W. Clement, (ca. 1671 England)
Schlagwerk Die vollen Stunden werden mit einem Hammer auf einer Glocke angeschlagen, 1 - 12
Zifferblatt Ziffernring aus Zinn, Stundenanzeige mit römischen Zahlen I - XII
Minutenanzeige durch arabische Zahlen 5; 10; 15;bis 60

Inhalt:
Vorbetrachtung zur Ausführung der Arbeiten aus der Sicht des Restaurators
und die Entscheidungsfindung, im Einklang mit dem Besitzer der Uhr.
Zustand:
Das Werk der Standuhr ist in einem sehr gut erhaltenen und schön gearbeiteten Gehäuse untergebracht. Nach Angaben des Besitzers stand die Uhr schon zu seiner Kinderzeit im Haus und war auch in Funktion. Es ist ohne Zweifel, dass die Standuhr heute in der fünften Generation auf dem Hof der Eigentümer steht.
 
Im Laufe der Zeit wurde diese alte Uhr immer weniger beachtet. Neuere Uhren mit einer Gangdauer von mehreren Tagen waren einfacher in der Bedienung und zeigten die Uhrzeit genauer an. Für eine kurze Zeit siedelte die Uhr zu einem Familienmitglied außerhalb des Stammhauses über, kam dann aber wieder zurück auf den Hof. Die Funktion war nicht mehr gegeben, aber als Familienstück blieb die Uhr erhalten. Die Nachfrage nach einer Reparatur des mittlerweile desolaten Uhrwerks bei einem Uhrmacher wurde von diesem abschlägig beschieden, „…nicht vertraut mit dieser Art Arbeit …und der Aufwand lohnt sich nicht…“. Leider eine Antwort, die heute oft zu hören ist. da es an geeigneten und dafür ausgebildeten Uhrmachern mangelt.

 Das Uhrwerk selbst ist vollständig erhalten, was für eine Uhr aus dieser Zeit nicht selbstverständlich ist.
  • es fehlt lediglich das komplette Pendel. Nur eine früher ergänzte Pendelstange ist noch vorhanden, deren Aufhängung an der Uhr, bzw. die Verbindung mit dem Werk aber unklar ist. Es ist auch nicht zu erkennen, ob mit dieser Pendelstange tatsächlich ein Betrieb der Uhr möglich war.
  • Die Pendellinse fehlt
  • Die Pendelfeder ist abgebrochen und nur noch als Fragment vorhanden.
  • Der Schlag zur vollen Stunde (1-12 Schläge) erfolgt unregelmäßig, jede zweite Stunde wird falsch angeschlagen (Wiederholung der vorigen Stunde).
  • Der mechanische Zustand des Uhrwerks ist, bedingt durch das Alter der Uhr nicht gut. Früher erneuerte Lager sind stark ausgelaufen und alle Räder, ob Messing oder Eisen, sind mit einer Korrosionsschicht überzogen. Das Werkgestell selbst, alle Wellen, Hebel und Radachsen sind verrostet.
  • Der Schöpfer, der den Schlagwerksrechen hebt, ist verschlissen (vermutlich die Ursache für den falschen Stundenschlag).
  • Der Glockenträger ist an den Gewinden stark eingerostet, die Kontermutter für die Glocke fasst nicht mehr.
  • Die starke Verschmutzung des kompletten Werkes ist den Umständen entsprechend.
Entscheidung über die Restaurierung / Reparatur:
Unter der Prämisse, dass die Uhr wieder die Zeit zeigen und, wenn möglich, auch durch den Schlag auf die Glocke verkünden soll, fiel die Entscheidung zu Gunsten einer behutsamen Restaurierung. Im Zusammenhang mit diesen Arbeiten war es naheliegend alle defekten Lager zu erneuern und den verschlissenen Schöpfer durch ein neu anzufertigendes Teil zu ersetzen. 
Die durchzuführenden Arbeiten sollten eine Reinigung des Zifferblattes aus Zinn, der Appliken aus Blei und des Zifferblattträgers einbeziehen.
Lieferzeit:
Für die Ausführung der Arbeiten wurde kein genauer Zeitraum vereinbart, die Arbeiten sollten aber möglichst innerhalb von 6 Monaten erfolgen.
Gewährleistung:
Für die durchzuführenden Arbeiten wird eine Gewährleistung von 2 Jahren übernommen. Eine sachgerechte Bedienung und Behandlung der Uhr wird dabei vorausgesetzt.
Versicherung:
Die Uhr ist während des Werkstattaufenthaltes durch die Hausratsversicherung des Eigentümers versichert.

Geschichte der Uhr:
Über den Hersteller dieser Uhr ist zu Zeit nichts bekannt.
I.C. oder I.G. Meier, Melle, die Signatur auf dem Zifferblatt, lässt auf einen Uhrmacher mit diesem Namen schließen. In der Literatur wird kein Meier erwähnt. Recherchen bei Abeler (1977 1. Auflage: Meister der Uhrmacherkunst), bei G.H. Baillie und Brian Loomes (Watchmakers & Clockmakers of the World, Volume I Reprint 1985, Volume II Reprint 1989) und in G.H. Baillie (Clocks and Watches, 1951) waren ergebnislos. An der Echtheit des Zifferblattes und der Gravur besteht aber kein Zweifel und Melle ist keine im Uhrmacherverzeichnis erfasste Stadt. Im 7jährigen Krieg (1756-63) war Melle oft von den kriegführenden Truppen besetzt. Es ist möglich, dass in dieser Zeit Hinweise und Unterlagen zu „Meier, Melle“ verloren gingen. Die Datierung auf 1756 erfolgt auf Grund der Signatur im Zifferblatt. Die Form und Ausführung des Standuhrgehäuses erlaubt ebenfalls Rückschlüsse auf diese Zeit.
Nach den Details stammt das Uhrwerk aus dem Raum Osnabrück. Eine ähnliche Uhr (Gestell, Wecker und Schlagwerk) ist bei Jan Carstensen, Ulrich Reinke, Die Zeit vor Augen, Standuhren in Westfalen, Ardey Verlag Münster 1998, S. 233 abgebildet.
 
Geschichte der verwendeten Technik und der Funktion
Gehäuse:
Dreiteilige Gliederung, dreiteilig konstruiert und ausgeführt in Eichenholz. Ober- und Unterkasten sind aus der gleichen Zeit und gehören zusammen. Herstellungszeit ca. 1830 bis 1850, Osnabrücker Raum.
 
Der Kopf ist separat gearbeitet. Hochrechteckige gefalzte Glastür, rechts angeschlagen, mit geschweiftem Bogengiebel. Gekröpftes und bogenförmig geschweiftes Abschlussgesims mit einem geschnitzten Ornament. In das Ornament sind die Buchstaben A Z geschnitzt. Das Gehäuse hat rechts und links Seitenklappen. Der Kopf aus Eichenholz wurde abgebeizt, kleinste hellblaue Farbspuren einer früheren farbigen Fassung sind noch in der den Rundbogen zierenden, geschnitzten Blattornamentik vorhanden. Das stark gedunkelte, braune Gehäuse wurde nach dem Abbeizvorgang gewachst und gebürstet. Es besteht die Möglichkeit, dass für den Kopf erst später ein Unterbau gefertigt wurde und die Uhr zunächst eine Wanduhr war. Für diese These spricht auch das Aufhängeloch in der Rückseite des Gehäuses.
 
Der Oberkasten (Mitte) hat eine Rückwand aus Nadelholz, die vermutlich bei der letzten, durch einen Tischler vorgenommenen Reparatur eingesetzt wurde. Diese Platte zeigt Spuren von Holzwurmfraß. Konisch verjüngter Pendelkasten mit einer Tür. Die auf Rahmen mit Füllung gearbeitete Tür hat eine Flachschnitzerei und Einlegearbeiten aus Holz (Intarsien) bei dem hellen Holz kann es sich um Ahorn und bei dem roten Holz um ein Obstholz handeln. Bei dieser Arbeit in der Tür handelt es sich um strenge geometrische Muster (Rauten und Kreuzform). Die Tür kann über einen drehbaren Knebel (Vorreiber) geschlossen werden. Der Vorreiber und die Mutter dazu fehlen.
 
Der Unterkasten hat keine Tür, aber ebenfalls hölzerne Einlegearbeiten, jedoch in floraler Form. Im Mittelfeld ist oben ein vierstrahliger Stern eingearbeitet. Der Kasten scheint nicht farblich gefasst gewesen zu sein. Eine Fassung hätte auch die Einlegearbeiten verdeckt.

Zifferblatt:
Hölzerne Grundplatte, die Holzplatte wurde bei einer früheren Überarbeitung der Uhr erneuert. Das Datum dieser Überarbeitung ist zurzeit nicht bekannt. Auf die Holzplatte ist der Ziffernring aus Zinn mit Holzschrauben aufgeschraubt. Die gegossenen vier Appliken, zwei Putten. halten eine Krone auf einem Rankenfeld, sind um den Ziffernring in den Ecken angeordnet und ebenfalls mit Holzschrauben befestigt. Die Freiflächen um die Appliken um den Ziffernring sind in einem mittleren Braunton gebeizt.
Der Ziffernring, eine glatte runde Scheibe aus Zinn, ist sorgfältig graviert. Stundenanzeige römische Zahlen von I bis XII; Minutenanzeige, Strichmarkierung in einem Doppelkreis, im Abstand von 5 Minuten in arabischen Zahlen 5, 10, 15 bis 60 dargestellt. Die Halbstundenmarken zwischen den römischen Zahlen zeigen eine stilisierte Rosette. Barocke Zeiger aus Messing. Weckerscheibe aus Messing, bezeichnet 1-12. Signatur zwischen der 25 und der 35 der Minutenangabe angeordnet, I.C oder G. Meier, Melle 1756. Die Ziffern, Buchstaben und Gravuren sind mit einer schwarzen Masse (Harz mit Ruß?) gefüllt.
Das Zifferblatt in seiner quadratischen Ausführung passt nicht zu dem Kopfgehäuse, das eine nach oben geschweifte Glastür und einen Bogengiebel hat.
Werk:
Das Standuhrwerk, Laufzeit 1 Tag, befindet sich in einem prismenförmig gearbeiteten Werkgestell aus Eisen. Verriegelung der Platinenpfosten mit Trapezkeilen. Die Wellen der Räder und die Triebe sind aus Stahl. Die Triebe selbst sind ausnahmslos als Volltrieb gearbeitet. Die Räder sind aus Messing. Die Wechselräder des Zeigerwerkes und die Herzscheibe für die Weckerauslösung sind aus Eisen. Rückführende Hakenhemmung, Kettenaufzug mit Messingkette. Pendelfeder abgebrochen, Pendelstange vorhanden, jedoch in der Aufhängung und Pendelscheibenbefestigung unklar, Pendelscheibe fehlt.
 
Gehwerk mit Hakenhemmung, wie sie 1680 von William Clement, London in die Uhrmacherei eingeführt wurde. Es handelt sich dabei um eine „rückführende“ Hemmung. Der Anker ist aus Stahl, das Hemmungsrad aus Messing. Der Anker zeigt auf den Hebeflächen starke Verschleißspuren und ist tief "eingelaufen".
 
Rechenschlagwerk mit seitlich fallendem Rechen, rechts angeordnet, Stundenschlag. Lange Hammerwelle, die senkrecht nach oben durch den Gehäusedeckel geführt ist und dort die auf dem Gehäuse befestigte Glocke anschlägt. Über einen Schnurzug kann der letzte Stundenschlag wiederholt (Repetition) werden. Der Windfang ist aus Messing gegossen. Der Schlagwerksmechanismus ist über einen Schlagwerksrechen und eine Stundenstaffel gesteuert und somit immer in Übereinstimmung mit der angezeigten Uhrzeit. Die Auslösung erfolgt zur vollen Stunde.
 
Weckerwerk aus Eisen, selbstständig konstruiert mit dem typischen Spindeldradaufbau und an die obere Abdeckplatte des Werkgestells angeschraubt. Eiserne V-förmig gefertigte und gekerbte Rolle für den Seilzug des Weckers. Schleichende Weckerauslösung über Herzscheibe. Das Gewicht für den Wecker ist aus Eisen geschmiedet und noch ursprünglich erhalten. Das Gegengewicht in der Form eines großen Kettengliedes wurde später ergänzt. Die Hammerwelle (Doppelhammer) ist senkrecht nach oben durch den Gehäusedeckel geführt und kann sich im inneren der Glocke bewegen und das Wecksignal anschlagen. Ist der Wecker ausgelöst ist er wirksam bis das Weckergewicht vollständig abgelaufen ist.
Die Weckzeit wird über eine zentrale Weckerscheibe, unter dem Stundenzeiger, eingestellt. Die kurze Seite des Stundenzeigers läuft in einer kleinen Spitze aus, auf diese Spitze wird die gewünschte Weckzeit gestellt. 

Die Gewichte sind aus Blei, mit eingegossenen Ösen, Gehwerk 2600 Gramm, Schlagwerk 3200 Gramm.
Für das Weckerwerk ist ein kleines, separates Gewicht aus Eisen vorhanden.

Bericht über die erfolgte Restaurierung
Das Uhrwerk, Gehwerk und Schlagwerk wurde vollständig zerlegt.
Die Reinigung aller Teile, einschließlich des Zifferblattes, erfolgte unter restauratorischen Gesichtspunkten. Herstellerspuren aus der Zeit der Entstehung der Uhr blieben erhalten.
 
-     Die stark ausgelaufenen Lager wurden überarbeitet. Es waren schon zu einem früheren Zeitpunkt die in den Eisenplatinen befindlichen Messinglager erneuert worden. Zum Teil war der Ersatz in Messing oder auch in Bronze ausgeführt. Unter dem Gesichtspunkt der besseren Haltbarkeit wurden die jetzt ersetzten Lager in Bronze angefertigt. Mit Ausnahme von einem Lager wurden alle erneuert.
-     Das Werkgestell und alle Metallteile wurden gereinigt und von der Rostschicht befreit. Die Reinigung erfolgte in einem Elektrolysebad.
-     Alle Lagerzapfen der Wellen wurden nach sorgfältiger Reinigung und Prüfung poliert.
-     Der Anker musste unterfüttert werden um die starken Einlaufspuren zu beseitigen. Die Amplitude war nur noch sehr klein. Dazu wurde jeweils ein Stahlplättchen, 2/10 mm dick, auf die Hebeflächen aufgelötet und poliert. So konnte die Grundsubstanz des Ankers erhalten werden.
-     Von dem Pendel war lediglich ein abgebrochenes und stark verrostetes Reststück der Pendelfeder  vorhanden und eine Eisenstange, mit zwei an den Enden angebogenen Haken. Die Pendellinse fehlte vollständig. Die Pendelfeder und die Pendelstange wurden neu angefertigt. Als Pendellinse wurde eine alte Linse, 20. Jh. auf die Pendelstange montiert und mit Reguliermuttern versehen. Der Pendelweiser war stark verbogen und wurde gerichtet.
-     Das Hebelwerk des Schlagwerkes wurde überarbeitet und gerichtet. Der doppelte Schöpfer war einseitig abgenutzt und dadurch kam es in jeder zweiten Stunde zur Schlagwiederholung. Der Schöpfer wurde neu angefertigt.
-     Das Zifferblatt wurde demontiert und die in jüngster Zeit eingesetzte Holzplatine durch eine Eisenblechplatte ersetzt. Die vorhandene Holzplatine war sehr stark vom Holzwurm befallen. Die Montage des Ziffernringes und der Applikationen war bei einen früheren Überarbeitung auffällig grob vorgenommen worden. Als Befestigungselement dienten Schlitzschrauben mit verhältnismäßig großem Kopf. Die frühere Farbgebung, mittelbraun gebeizt, entsprach nicht dem Charakter der Uhr.
-     Die neue Eisenplatine wurde mit Ölfarbe, dunkelgrün (Moosgrün) gestrichen. Für den Ziffernring und die Applikationen sind neue Befestigungsmittel in Form von schlitzlosen Schrauben angefertigt worden.
-     Der Ziffernring aus Zinn, wurde gereinigt und von Schmutzrückständen befreit, ohne die Patina über Gebühr anzugreifen.
-     Die stark verschmutzten Applikationen wurden sorgfältig gereinigt und auf Hinweise zur früheren farblichen Fassung untersucht. Das Ergebnis weist auf eine ursprüngliche Vergoldung hin. Da nur noch Fragmente der früheren Vergoldung auszumachen waren (gesamte Fläche kleiner 5%)  wurden die Applikationen neu vergoldet. Die Arbeit wurde mit Blattgold, Rosenobeldoppelgold, 23 ¾ Karat, ausgeführt.
-     Ein neuer Glockenträger mit Messingsockel, Messing-Gegenmutter und eine neue Kontermutter für die Glocke wurden angefertigt.
-     Das Werk war in das Uhrgehäuse, in den Kopf, später eingebaut worden. Es ist nicht das ursprüngliche Werk des Gehäuses. Bei dem Einbau ist das Werk und somit das Zifferblatt zu hoch gesetzt worden. Die Appliken waren deshalb falsch angeordnet, damit sie nicht vom Glasrahmen der Tür verdeckt wurden. Die Einbauhöhe ist jetzt korrigiert worden und das „Gesicht“ der Uhr entspricht der ursprünglichen Art. In dem Bogen, oberhalb des Zifferblattes, war vermutlich früher eine runde Signaturscheibe angebracht. Diese Scheibe wurde nicht ergänzt.
-     Der Verschluss für die Tür des Uhrgehäuses wurde neu angefertigt und angepasst. Es konnten der Knebel und die vordere Rosette erhalten werden. Der Teil hinter der Tür musste erneuert werden.  

Probelauf
Die Uhr wurde einem mehrwöchigen Probelauf unterzogen und es kam zu keinerlei Störungen.

Die Regulierung
An die Ganggenauigkeit der Uhr können keine hohen Ansprüche gestellt werden. Mit Abweichungen von 1-2 Minuten in 24 Stunden muss gerechnet werden. Die Schwankungen sind abhängig von der Raumtemperatur und dem Intervall des Aufzuges der Gewichte. Es ist sinnvoll das Aufziehen der Gewichte zu festgelegten Zeiten vorzunehmen.

Die Ganggenauigkeit kann über das Pendel reguliert werden.
Vorgehensweise:
Über den Zeitraum von mindestens 4 Tagen beobachten, welche Zeitdifferenz auftritt.
Geht die Uhr vor, also zu schnell, muss die Pendellinse nach unten verschoben werden.
Geht die Uhr nach, also zu langsam, muss die Pendellinse nach oben verschoben werden.
Unter der Pendellinse (runde Scheibe am unteren Ende des Pendels), in Verlängerung der Pendelstange sind zwei Muttern. Die untere Mutter ist eine Kontermutter, damit sich die obere Mutter nicht selbstständig verstellt.
 
Vorgang der Regulierung „Uhrzeit“
1.      Das Pendel vorsichtig anhalten.
2.      Pendellinse ohne Zug nach unten und ohne Druck nach oben festhalten.
3.      Untere Kontermutter ca. 3 Umdrehungen lösen.
4.      Geht die Uhr vor, also zu schnell, muss die Pendellinse nach unten verschoben werden. Dazu die obere Mutter          (Auflage der Pendellinse) nach unten drehen (Rechtsgewinde).
5.      Geht die Uhr nach, also zu langsam, muss die Pendellinse nach oben verschoben werden. Dazu die obere               Mutter (Auflage der Pendellinse) nach oben drehen (Rechtsgewinde).
6.      Eine Umdrehung sind bei diesem Pendel 0,5 mm.
7.      Da es sich um ein Sekundenpendel handelt, Schwingungszahl 3.600, hat es eine Länge von 994 mm       (mathematisches Pendel).
8.      Soll die Uhr eine Minute langsamer gehen, Pendelscheibe nach unten, beträgt die Veränderung 1,38 mm; d.h. ca. 2,5 Umdrehungen der Reguliermutter nach unten.
9.      Soll die Uhr eine Minute schneller gehen, Pendelscheibe nach oben, beträgt die Veränderung 1,32 mm; d.h. ca. 2,5 Umdrehungen der Reguliermutter nach oben.
10.  Nach erfolgter Regulierung das Pendel an der Pendellinse vorsichtig nach rechts oder links bewegen und die Uhr erneut in Takt setzen.
11.  Die Zeiger sind nun auf die Position der genauen Zeit zu bringen. Die Zeigerverstellung erfolgt grundsätzlich nur über den Minutenzeiger und zwar immer und ausschließlich im „Uhrzeigersinn“ d.h. nach rechts.
12.  Die Einstellung der Weckzeit erfolgt über die zentrale Messingscheibe mit den Zahlen von 1 bis 12, auch hier grundsätzlich die Weckerscheibe nur im „Uhrzeigersinn“ d.h. nach rechts drehen.
 
Durch die veränderten Umgebungsbedingungen, Werkstatt/Wohnraum, kann eine Nachregulierung erforderlich sein.
 
Das Schlagwerk
Die Uhr hat ein Schlagwerk, welches vom Gehwerk ausgelöst wird. Der Schlag erfolgt über eine lange Hammerwelle mit Hammer auf eine Glocke oberhalb des Kopfes zur vollen Stunde, 1 bis 12. Die Schlagauslösung und die Schlagfolge werden über einen Rechen in Verbindung mit einer Stundenstaffel gesteuert. Der Schlag muss im Regelfall stets mit der angezeigten Uhrzeit übereinstimmen. Die Glocke, noch ursprünglich erhalten, mit einem Durchmesser von 130 mm, ist aus Bronze.
 
Pflege
Feinde der Uhr sind Schmutz und verharzendes Öl. Beides ist nicht auszuschließen. Die Lager des Räderwerks wurden mit teilsynthetischem Uhrenöl, Sorte 1-3, von Dr. Tillwich geschmiert und nach heutigen Erkenntnissen und dem Stand der Technik der Tribologie hat dieses Öl gleich bleibende Eigenschaften für die Dauer von mindestens 5 Jahren. Gleitende Teile der Hebel und Wellen wurden mit Remontierfett von Koch behandelt.
Die Uhr sollte alle 5 Jahre von einem Uhrmacher geprüft, gereinigt und neu geölt/gefettet werden.
Noch eine Anmerkung, das Zifferblatt, die Verzierungen (Applikationen) und Zeiger dürfen nicht  mit einem Tuch berührt werden, vor allem Feuchtigkeit führt hier zur Zerstörung der Uhr. und der Zeiger. Staub kann mit einem weichen Pinsel, möglichst aus Ziegenhaar, vorsichtig entfernt werden.
Der Gang einer Pendeluhr
ist nicht unbedingt davon abhängig ob das Gehäuse genau senkrecht steht.
Das Pendel muss nach beiden Seiten gleich schwingen. Das ist hörbar! Das „Tick–Tack“ muss gleichmäßig hörbar sein. Ist der Rhythmus falsch, „humpelt die Uhr“ und bleibt stehen. Hier hilft nur, das Gehäuse so zu stellen (unter den oder die Füße etwas unterlegen bis das „Tick-Tack“ gleichmäßig ist.

Abschlussbetrachtung
Das Uhrwerk wurde nach den geltenden Regeln des Restauratoren- und Uhrmacherhandwerks restauriert bzw. überarbeitet. Bedingt durch das Alter der Uhr kann es trotzdem zu Störungen kommen. In diesem Fall bitte ich um Benachrichtigung damit Abhilfe geschaffen werden kann. Allen, die den Blick auf die Uhr richten, wünsche ich eine gute Zeit.
 
Georgsmarienhütte, am  ...
Ekkehard Koch

Bilder und Informationen zu den ausgeführten Arbeiten

Doku 1 Uhrenkopf mit Werk Das Uhrwerk, im Kopf der Bodenstanduhr eingebaut, noch unrestauriert.
DokuNr 3 Kopf von rechts Das Gehäuse:

Der Kopf
von der rechten Seite gesehen.

Die seitlichen Türen sind nicht Original (auch die der linken Seite) sie wurden später ergänzt, ebenso die Riegel (Vorreiber).
Die Spuren einer früheren Scharnierbefestigung für eine andere Fronttür sind deutlich zu erkennen.
Doku Das Ornament Das Ornament
am oberen Bogen des Kopfes ist mit den Buchstaben AZ signiert.
Ein Rückschluss auf die Bedeutung dieser Buchstaben, zum heutigen Eigentümer,  konnte nicht gefunden werden.
Vermutlich handelt es sich um eine Besitzersignatur, wie sie auch auf Truhen und Schränken zu finden sind
Doku Nr 5 Der Kopf von hinten Der Kopf
von hinten, oben gesehen. Deutlich ist zu erkennen, dass früher, zur Zeit des ursprünglich eingebauten Uhrwerks ein anderer Deckel vorhanden war. Die jetzt offenen und ungenutzten Zinkenverbindungen sind nicht zu übersehen (rote Pfeile).
Doku Nr 6a Unterseite des Uhrenkopfes Die Unterseite des Kopfes
zeigt den großen Ausschnitt für das frühere Werk, der jetzt von der Trägerplatte des heutigen Uhrwerks überdeckt ist. Durch diese „Aufdopplung“ kam es zwangsläufig zu der bereits angesprochenen falschen/ungünstigen Gestaltung des Zifferblattes.
Doku Nr 6 zwei Tragstühle übereinander Die zwei Tragstühle für die Uhrwerke.
Das untere Brett war für ein früheres Uhrwerk, das zweifelsfrei größer (höher) war.

Auf dem oberen Brett steht das jetzige Uhrwerk.

Im Hintergrund ist die provisorische Blindplatine, um das Zifferblatt und die Appliken in Verbindung mit der Zeigerachse auszurichten.
Doku 7 Abschlussbrett
Das Abschlussbrett der Rückseite des Uhrenkopfes.
Das große Loch diente vermutlich als Aufhängeöse für die Uhr, bevor sie ein Standuhrgehäuse bekommen hat. Auch hier sind rechts die ungenutzten Zinkenverbindungen eines früheren oberen Deckbrettes zu erkennen.
Doku Nr 08 Gehäuse ohne Kopf Das Gehäuse der Bodenstanduhr,
Mittel und Unterteil, der Kopf mit dem Uhrwerk ist abgenommen.

Der Barockanteil in der Formgebung  ist deutlich erkennbar.

Die abgerundeten Ecken sprechen für ländliches Biedermeier, das ist die Zeit von
ca.1815 bis 1848.

Intarsien an der Tür des Mittelteils geometrisch, die eingelegte Raute ist ein klassisches Zeichen für Biedermeier.am Unterteil auch mit einer geometrischen Zugabe oben im Mittelfeld der Platte,die weiteren Arbeiten in floraler Ausführung. Übergang und Nahtstelle zwischen dem Ober- und dem Unterteil.
Dieses Detail spricht dafür, dass beide Teile zugleich und als zusammengehörend gefertigt wurden. Das Unterteil kann nicht geöffnet werden.
Doku Nr 09 Detail der Intarsien Detail der Intarsien, eingelegte Raute in der Tür.
Die eingelegten Hölzer konnten nicht definiert werden. Es ist aber naheliegend, dass es sich um heimische Arten handelt. Es wurden oft Obstbaumhölzer verarbeitet.
Doku Nr. 10 Zifferblattträger altDoku Nr 11 Zifferblattträger Holzwurmbefall Die Platine des Zifferblattes der Uhr,
das Werk ist ausgebaut, Ziffernring und Appliken sind abgenommen.Die Holzplatte kommt zum Vorschein, der Holzwurmfraß wird sichtbar.Die nicht vom Ziffernring und den Verzierungen bedeckten Flächen setzen sich von der in einem Braunton gebeizten Umgebung ab.




Auf dem unteren Bild ist der Holzwurmbefall deutlich zu erkennen. Die Zerstörungen waren so fortgeschritten, dass ein Erhalt der Holzplatte, die ohnehinn nicht ursprünglich war, nicht geboten erschien.
                                                                Der Ziffernring und die Appliken
Der Ziffernring und Appliken Der Ziffernring (Zinn) und die außen angeordneten Appliken (Blei)
vor der Abnahme von der hölzernen Grundplatte und vor der Reinigung.

Signatur zwischen 25 und 35.
Doku Nr 13 Applikation Die abgenommenen Appliken
wurden sanft, mit lauwarmem Wasser ohne Zusätze, mit einer weichen Bürste gereinigt. Es war keine nennenswerte Farbfassung vorhanden, es war lediglich eine braune Farblasur/Holzbeize aufgetragen, die sich aber leicht vom Untergrund löste.
Doku Nr 14 Appliken Tiefer liegende Schmutzschichten,
im Wasser gelöst, konnten mit einer weichen Messingbürste entfernt werden. Fester haftende Verunreinigungen wurden mit einem Skalpell abgetragen.
Doku Nr 15 Applikation gereinigt
Doku Nr 15 Detail einer Applik, Rückseite
Die alte und vermutlich ursprüngliche Fassung der Appliken war eine Beschichtung mit Blattgold. Spuren dieser Fassung sind nach der Reinigung noch sichtbar. Auch auf der Rückseite sind untrügliche Spuren einer früheren Vergoldung su sehen.
Doku Nr 16 Applikation grundiert Nach der Reinigung der Appliken und sorgfältiger Abwägung der Sachlage aus restauratorischer Sicht, im Zusammenhang mit der vom Auftraggeber gestellten Aufgabe, wurde die Entscheidung zur Neuvergoldung aller Appliken getroffen.

Hier der Auftrag der gelb abgetönten Grundbeschichtung.
Doku 17 Bearbeitung der Applikationen Nach der Grundbeschichtung
erfolgt das Anlegen, Mixtionieren mit dem Anlegeöl. Das Anlegeöl bildet die Haftschicht für das Blattgold.
Doku 18 Die Oberfläche fertig angelegt Fertig „angelegt“
wartet das Stück nun auf den richtigen Zeitpunkt des sachgemäßen Trocknungsgrades. Zeit und Temperatur sind neben viel Erfahrung die Entscheidenden Faktoren.
Doku 19 der Vergoldervorgang Der Vergoldervorgang kann beginnen.
Blattgold, 23 3/4 Karat,
Rosenobel-Doppelgold, findet Verwendung.
Die neu vergoldeten Appliken Die neu vergoldeten Appliken,
die Konturen der zwei Putten, die eine Krone tragen, sind gut zu erkennen.
Vor der Restaurierung Vor der Restaurierung Schmutz und Übermalung nahmen die Schönheit der Details.
Doku 22 nachder Restaurierung Nach der Restaurierung Reinigung von alter Beize und neue Vergoldung versetzen das Zifferblatt wieder in seinen früheren Zustand.
Doku 23 das Uhrwerk vor dem Ausbau Das Werk vor dem Ausbau Ansicht von der Pendelseite.
Das eiserne Prismenwerk zeigt starken Rostbefall, dank des geringen Kohlenstoffgehaltes im Eisen ist die Korrosion auf die Oberfläche beschränkt.

Das Räderwerk aus Messing ist dunkel angelaufen.
(Oxidationsschicht), die Achsen (Wellbäume) sind auch angerostet.
Rechts das Weckerwerk.
das ausgebaute Werk wird zerlegt Das ausgebaute Werk wird in seine Einzelteile zerlegt, dadurch werden alle Verunreinigungen und Schäden sichtbar. Die weiteren Restaurieungs.
schritte und Reparaturen können überlegt und eingeleitet werden.
Das Weckerwerk Das Weckerwerk,
neben Rostbefall ist eine dichte Schmutzschicht zu verzeichnen (die Hammerwelle ist schon ausgebaut). Deutlich erkennbar sind die Schnurrolle für den Seilzug und das Hebelkreuz für den Schnurzug zur Auslösung der Schlagwiederholung (Stundenschlag).
Iin einer der Ösen wird der Zug , der aus dem Gehäuse nach außen führt, befestigt. Von einem Nebenraum kann dann die Schlagwiederholung ausgelöst werden
Doku 26 Werk von der Vorderseite Die Vorderseite des Uhrwerks*,
links das Gehwerk (für die Uhrzeit),


rechts das Schlagwerk (für den Stundenschlag,

ganz links oben das Weckerwerk.

* noch unrestauriert
Doku 27 Verschmutzungen durch Staubablagerungen Die Staubablagerungen haben das Werk mit einer dicken Schicht überzogen und sich an Lagerstellen und Hebelgelenkvebindungen mit Öl und/ofer Fett verbunden.
Die grobe Reinigung wurde mit weichen Bürsten und Putzhölzern ausgeführt.
Doku 28 Elektrolysevorbereitung Teilvorgang der Entrostung, in diesem Fall wurde nach eingehender Prüfung der Materialien und deren Oberflächen beschlossen, die Eisenteile elektrolytisch zu behandeln.   Der komplexen Entrostung wegen wurde diese erprobte und für das Material schonende Technik gewählt. Hier wird das Gestell für den Elektrolysevorgang vorbereitet.
Doku 29 Elektrolyse in Funktion Der Entrostungsvorgang,
die zu entrostenden Teile ruhen in einem Elektrolyt das mit Verwendung von Natrium hydricum, auch als
kaustisches Soda oder Ätznatron bekannt, erstelt wurde. Vorsicht bei diesem Elektrolyt, es ist eine Lauge und ätzend!

Der im Elektrolyt eingetragene gelöste Rost verhindert einen Blick auf das zerlegte Werk.

Doku 30 das gereingte Werk Nach der Reinigung
und dem Rostabtrag,
ein Blick auf das eingebaute Räderwerk
von der Pendelseite.

Die Eisenteile wurden nach einer sehr gründlichen Reinigung mit Wasser und Naturbürsten mit einer feinen Schutzschicht aus mikrokristallinem Wachs als Korrosionsschutz überzogen.
Doku 31 Räder vor der Reinigung Teile des Räderwerke und der Hebel vor der Reinigung.

Die Eisenteile wurden ebenfalls elektrolytisch gereinigt.

Die Messingteile wurden unter fließendem Wasser mit einer Messing-Handbürste von Schmutz und der Oxydschicht bereit.
Doku 32 Räder gereinigt Einige der gereinigten Räder,
die Zapfen müssen noch poliert werden.
Doku 33 Zeigerwerkseite gereinigt Das Uhrwerk ist komplett restauriert,
der Einbau für den ersten Probelauf im Gehäuse,
aber ohne Zifferblatt.
Doku 34 Hilfskonstruktion für das Zifferblatt Für die neue Zentrierung des Ziffernringes
und der Applicken war die Anfertigung eines provisorischen Zifferblattträgers erforderlich.
Danach wurde das Werk und die Zeigerachse in Abstimmung mit dem Ziffernring ausgerichtet.
Bei geschlosener Tür konnte so die Sichtbarkeit und Harmonie von Ziffernring, Zeiger und Applicken geprüft und justiert werden.
                                     Die Anfertigungen
Der neue Glockenträger Der neue Glockenträger mit dem Messingsockel und den Kontermuttern.

Der Sockel und die Kontermutter sind aus Ms 58
(alte Normbezeichnung)

Der Glockenträgerl und die Vierkantmutter sind aus
Eisen nach QSt 37-2, EN-Norm 10277-2 / DIN 1652
neuer Schöpfer Innenvierkant feilen Der verschlissene Schöpfer muß ersetzt werden.

Eine Feilarbeit mit besonderen Anforderungen in der Form von einem Innenvierkant von 2,5 x 2,5 mm.

Vorsichtshalber wurde der Rohling größer gewählt, für den Fall, dass die erste Feilarbeit nicht erfolgreich ist. Bei derart kleinen, aber langen Querschnitten kann das schon einmal passieren.
Doku 36 Feilarbeit beendet  Die Feilarbeit für den Innenvierkant ist erfolgreich beendet. Die Teile passen formschlüssig ineinander. Bei einem Schöpfer ist es wichtig, dass er an seiner "Arbeitsposition" gut paßt und festsitzt.
Es darf kein "Spiel" zur Seite oder zur Höhe sein.
Doku 39 Fräsarbeit am Schöpfer Der Schöpfer, die Schöpfzungen, die den Schlagwerksrechen transportieren, werden vorgefräst.
Die Zungen sind „maschinenfertig“ 1,5mm dick, danach kommt die Handarbeit.
Die Konturen der Schöpferspitzen, müssen passgenau zum Schlagwerksrechen gefeilt werden.
Doku 40 Der eingebaute Schöpfer Der neue Schöpfer, nach dem Einbau in das Schlagwerk.. Jetzt kann hier der Probelauf ausgelöst werden.  
Schlag für Schlag wird jede Position geprüft, erst von Hand und dann über die Auslösung vom Gehwerk aus. So kann Funktionssicherheit beobachtet und garantiert werden.
Doku 43 Reparatur des Ankers Der Anker war sehr stark verschlissen. Die Hebeflächen zeigten tiefe Laufspuren die mit einer einfachen Politur nicht beseitigt werden konnten-

Es wurden 0,2mm dicke Stahlplättchen aufgelötet.
Die Plättchen können bei dieser Methode jederzeit wieder leicht entfernt werden und der alte Zustand ist wieder hergestellt.
Nach einer Feinstpolitur brachte diese Methode gute Gangergebnisse und das Hemmrad wird geschont.
Doku 41 der neue VorreiberDoku 42 Der Knebel für den Vorreiber Der neue „Vorreiber“
mit Zunge und Kontermutter.

Neu gefertigt aus Ms 58.(alte Normbezeichnung) und Eisen nach QSt 37-2, EN-Norm 10277-2 / DIN 1652  

Die Tür kann nun wieder ordentlich geschlossen und verriegelt werden.

Der Knebel und die Abdeckrosette
blieben im Original erhalten.


Doku 45 Das neue Zifferblatt montiert Das Zifferblatt,
die neue Trägerplatte aus Metall,
in moosgrüner Farbgebung.
Der Ziffernring ist montiert, die Appliken wurden richtig angeordnet und die gereinigten Zeiger nebst Weckerscheibe sind angebracht.

Die Trägerplatte könnte ursprünglich aus Holz gewesen sein. Aus Gründen der technischen Gegebenheiten wurde jetzt Metall gewählt, das aber so montiert ist, dass es (reversibel) jederzeit ausgetauscht werden kann.
Doku 26 fertig zum Probelauf Die Uhr nach der Restaurierung,
Werk und Zifferblatt im Kopf montiert.
An der linken Gehäuseseite ist der Schnurzug für die Repetition des Stundenschlages zu sehen.

Hier ist der Kopf mit dem Werk aufgebaut für den Probelauf.
Bei Werken dieser Art und Alter hat es sich bei mir bewährt einen Testlauf von drei Wochen einzuhalten. Möglichst sollte das Werk im Gehäuse sein, da die Verhältnisse dort noch einmal anders sein können.
Die Uhr ist ausgeliefert
Die Bodenstanduhr konnte nach der Fertigstellung und einem längeren Probelauf wieder an ihren alten Standort gebracht werden. Seit der Zeit wird sie täglich aufgezogen und verkündet die Zeit über ihre laute Glockenstimme im Haus.

Natürlich bekam der Eigentümer auch eine Dokumentation über die Uhr und die ausgeführten Arbeiten.

Diese Unterlagen sind aber nicht in einer Schublade verschwunden, sondern liegen auf einem Tischchen im Zimmer und wurden sorgfältig gelesen. Es hatte den Anschein, dass "der Blick in die Uhr und deren Werk" durch die Dokumentation erst das Bewustsein über diesen, auch emotionalen, Familienschatz geweckt hat. Wichtigen Besuchern, die in die "gute Stube" geführt werden,
wird die Geschichte der Uhr erzählt und dazu die Dokumentation gezeigt.